Stell dir vor

Stell dir vor... ...du gehst abends mit einer Freundin durch einen dunklen Park. Auf einmal hört ihr Schritte, irgendetwas beunruhigt euch. Noch bevor du einen weiteren Gedanken bilden kannst, ergreift deine Freundin hektisch deine Hand, zieht dich eng an ihre Seite und murmelt «Oookay, ruhig bleiben». Du merkst, dass ihr Atem schneller wird, ihre Muskeln spannen sich an, ihr ganzer Körper wirkt alarmiert. Spätestens jetzt rutscht dir auch das Herz in die Hose und ihr Verhalten beunruhigt dich. Du überlegst nicht mehr allzu intensiv, ob euch eine tatsächliche Gefahr entgegenkommt, sondern du stellst dich darauf ein, gleich gemeinsam mit deiner Freundin zu flüchten oder anzugreifen. Blöd nur, dass Flüchten keine Option zu sein scheint, da deine Freundin dich kurz an der Hand führt und beschlossen hat, weiterzugehen.

Jetzt siehst du, dass euch ein Mensch entgegenkommt, du willst gerade etwas sagen ‒ und im nächsten Moment stellt sich deine Freundin mit dem Gesicht zu dir. «Ksssch!» zischt sie dir zu. «Guck nicht hin! Du rastest sonst aus» sagt sie, und schiebt sich in dein Sichtfeld. Du verspürst umso dringlicher den Wunsch, an deiner Freundin vorbeizuschauen, ob und welche Gefahr sich euch nähert. Deine Irritation wächst, schließlich kommt euch jemand entgegen, der deine Freundin beunruhigt, und trotzdem dreht sie der Person den Rücken zu und ermahnt dich. Die Person guckt tatsächlich nicht sonderlich freundlich und macht gerade Anstalten, sich geradewegs auf euch zuzubewegen. «He, hallo, Sie da, halten Sie Abstand!» rufst du der Person zu, woraufhin deine Freundin sauer wird, dich weiter abschirmt und mit ihren Beinen wegdrängt. Die Person überlegt es sich zum Glück nun doch anders und dreht plötzlich ab. Puuh... ihr beruhigt euch beide, deine Freundin verhält sich zunehmend normaler. Du willst dich umdrehen um sie zu fragen, WAS ZUM HENKER das denn bitte sollte?! Bevor das aber möglich ist, schiebt sie dir mit einem Lächeln einen Bonbon in den Mund, lässt deine Hand los und geht weiter. Bis zur nächsten Begegnung...

Zugegeben, der Text ist ganz schön überzeichnet. Aber falls du einen Leinenpöbler hast, dann kommt dir das Verhalten dieser Freundin vielleicht bekannt vor? Versuchst du eventuell, deinen Hund möglichst abzuschirmen, drehst du dich zu ihm und hoffst, sein Gebrüll somit unterbinden zu können? Treibt dir der Anblick eines fremden Hundes bereits Schweissperlen auf die Stirn? Dass du dich so verhältst, ist absolut nachvollziehbar. Hilfreich ist es aber vermutlich eher weniger. Was kannst du also tun?

Hier ein kleiner Notfallplan:

1. Atmen. Klingt banal, ist aber mein voller Ernst.

2. Schultern runter.

3. Laufe einen leichten Bogen mit deinem Hund, sodass du die Leine nicht ganz so kurz greifen musst.

4. Dreh dich zu dem Stressor hin – grüsse freundlich. Halte deinen Hund hinter dir, aber du bleibst nach vorn gewandt!

Langfristig ist es wichtig, dass du verstehst, WARUM dein Hund sich so verhält. Und wie kannst du ihn aus dieser Schleife herausholen? Suche dir im Zweifel professionelle Hilfe. Und last but not least: Bewahre dir deinen Humor.

Zur Verfügung gestellt von: Pia-Céline Delfau / Wegbegleiter ‒ Psychologisches Coaching für Menschen mit Hunden

Ruth Spielmann
Hundeerziehungsberaterin
ND®-Instruktorin
NHB-Fachperson
Treibball-Trainerin

Mobile: +41 79 745 13 49
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Heute 29 / Gestern 209 / Woche 1155 / Monat 3273 / Insgesamt 93248